Naturschutzberatung für die Landwirtschaft
Seit November 2001 gibt es in Norddeutschland eine Naturschutzberatung für ökologisch wirtschaftende Betriebe. Diese Beratung ergänzt die bestehende anbautechnisch und betriebswirtschaftlich orientierte Spezialberatung und unterstützt Landwirte, die Naturschutzmaßnahmen umsetzen wollen - von der Ideenfindung bis zur Planung und Umsetzung.
Die große Nachfrage und viele umgesetzte Maßnahmen zeigen: Landwirte haben ein Interesse und einen Bedarf an der aktiven Weiterentwicklung ihrer Kulturlandschaft. Eine einzelbetriebliche Naturschutzberatung als Bestandteil der landwirtschaftlichen Beratung kann sie dabei wirkungsvoll unterstützen.
Einzelbetriebliche Naturschutzberatung -
wie funktioniert das?

Landwirte wenden sich mit Fragen zum Naturschutz an die Naturschutzberatung. Meist wird ein Treffen vor Ort verabredet: Welche Maßnahmen auf dem Betrieb sind sinnvoll und möglich, wie lassen sie sich umsetzen, welche Fördermittel stehen zur Verfügung oder müssen akquiriert werden? Die Beratung zu Naturschutzfragen beschränkt sich nicht auf besonders schützenswerte Biotope, sondern hat den gesamten Betrieb und die Entwicklung der Kulturlandschaft im Blick. Das Serviceangebot umfasst auch organisatorische Leistungen, etwa die Vermittlung bei Problemen mit Behörden oder die Organisation von Aktionen zusammen mit Naturschutzverbänden, Schulen oder der Jägerschaft. Den Betrieben steht ein Ansprechpartner für alle Naturschutzfragen zur Verfügung.
Das Erfolgsrezept der einzelbetrieblichen Naturschutzberatung
als Serviceleistung für interessierte Landwirte
Das Konzept setzt nicht - wie sonst üblich - an naturschutzfachlichen Zielvorgaben, sondern am Naturschutzinteresse und –bedarf der Landwirte an. In Norddeutschland erfolgt die Naturschutz-Spezialberatung durch landwirtschaftliche Beratungseinrichtungen (Kompetenzzentrum Ökolandbau; Ökoring SH), was den Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses zum Landwirt erleichtert. Die Erstberatung ist für den Landwirt kostenlos; wenn durch Vermittlung der Beratung Fördermittel fließen, wird ein Beratungshonorar vereinbart. Wesentliche Qualifikationen sind sowohl Kenntnisse in Naturschutz und Landwirtschaft als auch Einfühlungsvermögen und kommunikative und organisatorische Fähigkeiten. Das Naturschutzinteresse von Landwirten wird aufgegriffen, Maßnahmen werden in Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern konzipiert, umgesetzt und weiterentwickelt.
Das Projekt: Einzelbetriebliche Naturschutzberatung - bundesweit
Das Projekt hatte zum Ziel, bundesweit Aktivitäten zur Einrichtung einzelbetrieblicher Naturschutzberatung für Biobetriebe zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Es stand als Impulsgeber und Ansprechpartner für initiative Akteure (Behördenvertreter, Öko-Landbauverbände, Beratungsinstitutionen…) zur bundesländer-spezifischen Einrichtung einzelbetrieblicher Beratungsansätze für Bio-Betriebe zur Verfügung. Ergebnisse aus der Evaluation des niedersächsischen Ansatzes und umfangreiche Recherchen zur Ausgestaltung einer erfolgreichen Naturschutzberatung sind verfügbar. Die Webseite dient der Vernetzung der Akteure und dem Informationsaustausch.
Einzelbetriebliche Naturschutzberatung -
Perspektiven für die Kulturlandschaft?
Die EU-Agrarreform bietet Chancen, Direktzahlungen zur Honorierung ökologischer Leistungen der Landwirtschaft für mehr und sinnvollen Naturschutz auf dem Betrieb zu verwenden. Einzelbetriebliche Naturschutzberatung kann dazu beitragen, dass eine multifunktional verstandene Landwirtschaft der Zukunft wieder aktiv Landschaft gestaltet und Artenvielfalt fördert.
Der ökologische Landbau hat die Möglichkeit, dabei eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Das Anliegen, Einzelmaßnahmen umzusetzen - das Pflanzen einer Hecke oder die Anlage eines Feuchtgebietes - kann Ausgangspunkt für partizipativ erarbeitete Naturschutz-Entwicklungspläne für den landwirtschaftlichen Betrieb werden.
Naturschutz als integraler Bestandteil des Bewirtschaftungskonzeptes, unterstützt und gefördert durch einzelbetriebliche Naturschutzberatung.

